Amprice ist insolvent - Ein Blick auf die Amprice-Bilanzen 2006 - 2009
Montag, 19. April 2010 20:30
Manchmal bin ich immer wieder erstaunt, was man im Netz so alles findet. Unter http://www.ebundesanzeiger.de findet man den elektronischen Bundesanzeiger, herausgegeben vom Bundesministerium für Justiz. Und wenn man dort ins Suchfeld mal “Amprice” eingibt, so finden sich dort die Bilanzen von 2006 - 2008. Schauen wir uns die doch einfach mal an…
Die Bilanz ist unterteilt in Aktiva und Passiva. Mit Aktiva bezeichnet man die Vermögenswerte der Firma. Diese werden unterteil in Anlagevermögen (z.B. Immobilien, Computer, aber auch Software - eben alles, was die Firma gekauft hat). Zum Anlagevermögen gesellt sich noch das Umlaufvermögen. Das ist der Kassenbestand, Bankguthaben und offene Forderungen.
Unter den Passiva findet man das Kapital, also die Posten, wo das ganze Geld her kommt. An erster Stelle das Eigenkapital der Firma, weiter die Verbindlichkeiten (z.B. Bankkredite, die ja erstmal Geld in die Kasse spülen) und natürlich Gewinne oder Verluste aus der Geschäftstätigkeit.
So, nach dieser kurzen Erläuterung schauen wir uns mal die Amprice-Bilanzen an. 2006 und 2007 sind die Bilanzsummen noch recht bescheiden, ca. 17.000 EUR bzw. 73.000 EUR findet man dort in SUmme bei Aktiva und Passiva. In beiden Jahren übersteigen die Verbindlichkeiten (127.000 EUR bzw. 231.000 EUR) die Bilanzsumme bereits deutlich. Das ist recht einfach möglich, da der Jahresverlust als negative Zahl in den Passiva auftaucht. Dazu kommt bei Amprice immer noch der Verlust aus den Vorjahren, der ja nie ausgeglichen wurde.
Richtig heftig wird es dann in der Bilanz 2008. Mit erneuten 211.000 EUR Verlust summieren sich die Verluste insgesamt auf fast 400.000 EUR. Dazu kommen noch die Aufwände für die neue Plattform. Da diesen ja ein Gegenwert in der Bilanz haben (Software ist ein immaterielles Wirtschaftsgut), zählen die Kosten dafür bilanztechnisch nicht als Verlust. Für Amprice von Vorteil ist dabei, dass der Wert in der Bilanz nicht dem tatsächlichen Wert der Software entsprechen muss, sondern lediglich der Buchwert dargestellt werden muss. Sonst könnten wir ja mal schätzen, wieviel eine extrem fehlerhafte Software, die auf einem Konzept ohne SInn und Verstand aufgebaut ist, wirklich wert ist. Unsere Schätzung landet nicht weit entfernt von “Null”.
Wieviel Geld von Geschäfsführer insgesamt verbrannt wurde, sieht man am besten, indem man auf den Punkt “Verbindlichkeiten” schaut. Diese lagen Ende 2008 schon über eine Million Euro. Wow. Und wir können davon ausgehen, dass das Jahr 2009 nicht unbedingt besser gelaufen ist. Im Gegenteil - die ohnehin schon geringen Einnahmen dürften nochmal eingebrochen sein, da ja die meisten Flatrates gekündigt wurden und die Anzahl der Verkäufe sich in der Größenordnung von 5% im Vergleich zum Vorjahr bewegen dürfte.
So verwundert uns nicht, dass auf http://de.startupwiki.org/Amprice verkündet wird, dass Amprice am 26. Februar 2010 Insovenz angemeldet hat. In meinem Augen war der Schritt mehr als überfällig. Hoffen wir, dass das Internet nun vom Unvermögen bei Amprice befreit wird.
Thema: Allgemein, Andere, amprice, azubo | Kommentare (1) | Autor: Frank75
